Self in Letters
Anna Vovan
29.05.–27.06.2021
Deutsch
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English
Einen Brief zu schreiben ist so gut wie unmöglich. Wie sollte es gelingen, sich mit einem Mal mitzuteilen ohne sich einzuschränken? Folglich ist ein Brief nur eine mögliche Fassung dessen, was man jemandem erzählen möchte. Er gibt die Gedanken und Gefühle der Schreibenden in einem bestimmten Moment wider. Und würde er im nächsten Moment anders lauten, wäre er nicht minder wahr. Schreibt man mehrere Briefe, kommt man einem genauen Ausdruck auch nicht zwangsläufig näher. Das schreibende Ich wird zwar in der fortlaufenden Erzählung erkennbar. Diese jedoch zerstreut sich nur allzu leicht, indem sie alltägliche Themen aufgreift und umkreist.

Die ausgestellten Arbeiten von Anna Vovan, Texte und Fotogramme, beschäftigen sich mit diesem Dilemma. Sie gehen auf das Buch Letters from Jenny zurück, in dem etwa hundertsiebzig Briefe einer alleinstehenden Frau veröffentlicht sind und vom Sozialpsychologen Gordon W. Allport interpretiert werden. Die Briefe berichten von einem zerrütteten Leben und der schwierigen Beziehung zwischen der Schreibenden und ihrem Sohn. Sie sind an ein Ehepaar adressiert, deren Antworten das Buch nicht enthält. Seite für Seite manifestiert sich der eigensinnige Charakter von Jenny, ihr starres Bild von der Welt, in der es vermeintlich nur Recht oder Unrecht, nur Gewissheiten aber keine Zweifel gibt. Die Ausführungen von Allport, die Jenny aus verschiedenen psychologischen Denkrichtungen heraus beschreiben, wirken ähnlich festgefahren.

Anna Vovan wählt einen anderen Weg. Sie bearbeitet Jennys Briefe durch Auslassungen. So entstehen an der Stelle von Behauptungen Lücken, die eine grundsätzlichere Erzählung zum Vorschein bringen. Diese handelt vom Versuch, sich mitzuteilen und das eigene Erleben für sich und andere greifbar zu machen.

Auch die ausgestellten Fotoarbeiten zeugen von dieser Suchbewegung. Es sind Lichtabdrücke von Dingen auf Fotopapier, die nur schemenhaft erkennbar sind und in einem diffusen Bildraum zu schweben scheinen. Sie ähneln jenen latenten Erinnerungen und Empfindungen, die sich von Zeit zur Zeit in unser Bewusstsein drängen, die sich jedoch weder in einem Text, noch in einem Bild ausdrücken lassen.

Franciska Zólyom, 2021

Writing a letter is almost impossible. How could one succeed in communicating all at once without limiting oneself? Consequently, a letter is only one possible version of what you want to tell someone. It reflects the thoughts and feelings of the writer at a particular moment. And if it were to read differently at the next minute, it would be no less true. If one writes several letters, one does not necessarily come closer to an exact expression. The author's I may become recognisable in the ongoing narrative. Yet the narrative disperses all too easily by taking up and circling around everyday themes.

The exhibited works by Anna Vovan, texts and photograms, deal with this dilemma. They go back to the book Letters from Jenny, in which about one hundred and seventy letters of a single woman are published and interpreted by the social psychologist Gordon W. Allport. The letters tell of a broken life and the difficult relationship between the writer and her son. They are addressed to a married couple whose answers are not included in the book. Page after page, Jenny's stubborn character manifests itself, her rigid image of the world in which there is supposedly only right or wrong, only certainties but no doubts. Allport's explanations, which describe Jenny from different psychological schools of thought, seem similarly stuck.

Anna Vovan chooses a different path. She edits Jenny's letters through omissions. In this way, gaps are created in the place of assertions, which bring a more fundamental narrative to light. This is about the attempt to communicate and to make one's own experience tangible for oneself and others.

The photographic works on display also bear witness to this process of searching. They are photographic prints of things on paper that are only dimly identifiable and seem to float in a diffuse pictorial space. They resemble those latent memories and sensations that force themselves into our consciousness from time to time, but which cannot be expressed either in a text or in a picture.

Franciska Zólyom, 2021

Self in Letters (L1/L1.3/L2/L8/L9), 2021
Laserdruck auf Papier
je 29,7×21 cm, 5 + 2 ap
einzeln 200,- Euro
gesamt auf Anfrage
etc. (2), 2021
FineArt Prints von gescannten Lumenprints
45×36 cm, gerahmt, 3 + 1 ap
1200,- Euro
Self in Letters (L14/L18/L19/L20/L21), 2021
Laserdruck auf Papier
je 29,7×21 cm, 5 + 2 ap
einzeln 200,- Euro
gesamt auf Anfrage
etc. (1), 2021
FineArt Prints von gescannten Lumenprints
45×33 cm, gerahmt, 3 + 1 ap
1200,- Euro
etc. (4), 2021
FineArt Prints von gescannten Lumenprints
45×33 cm, gerahmt, 3 + 1 ap
1200,- Euro
etc. (7), 2021
FineArt Prints von gescannten Lumenprints
45×33 cm, gerahmt, 3 + 1 ap
1200,- Euro
Self in Letters (L22/L27/L30/L31/L36), 2021
Laserdruck auf Papier
je 29,7×21 cm, 5 + 2 ap
einzeln 200,- Euro
gesamt auf Anfrage
etc. (5), 2021
FineArt Prints von gescannten Lumenprints
45×33 cm, gerahmt, 3 + 1 ap
1200,- Euro
etc. (6), 2021
FineArt Prints von gescannten Lumenprints
45×33 cm, gerahmt, 3 + 1 ap
1200,- Euro
Self in Letters (L38/L41/61/L71/L72), 2021
Laserdruck auf Papier
je 29,7×21 cm, 5 + 2 ap
einzeln 200,- Euro
gesamt auf Anfrage
etc. (3), 2021
FineArt Prints von gescannten Lumenprints
45×33 cm, gerahmt, 3 + 1 ap
1200,- Euro
Self in Letters (L81/L87/L111/L115/L127), 2021
Laserdruck auf Papier
je 29,7×21 cm, 5 + 2 ap
einzeln 200,- Euro
gesamt auf Anfrage
etc. (9), 2021
FineArt Prints von gescannten Lumenprints
45×36 cm, gerahmt, 3 + 1 ap
1200,- Euro
etc. (10), 2021
FineArt Prints von gescannten Lumenprints
45×33 cm, gerahmt, 3 + 1 ap
1200,- Euro
etc. (11), 2021
FineArt Prints von gescannten Lumenprints
45×33 cm, gerahmt, 3 + 1 ap
1200,- Euro
Self in Letters (L132/L137.1/L137,3/L139/L171), 2021
Laserdruck auf Papier
je 29,7×21 cm, 5 + 2 ap
einzeln 200,- Euro
gesamt auf Anfrage
etc. (8), 2021
FineArt Prints von gescannten Lumenprints
45×33 cm, gerahmt, 3 + 1 ap
1200,- Euro


Anna Vovan – Self in Letters


Ausstellungsansichten von Björn Siebert
Reprografien von Georg Brückmann

Text von Franciska Zólyom

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