Romy Julia Kroppe

Romy Julia Kroppe

Nur ein einsames Verbotsschild in kargem Gelände, das durchgestrichene Schema einer Figur erinnert daran, dass auch die wüsteste Vulkanlandschaft eine gemachte ist – ein Gebiet, in dem Natur und Kultur interferieren. Romy Julia Kroppe konzentriert sowohl in ihren großformatigen Gemälden als auch in ihren kleinen Bilderserien diesen Blick: In scheinbar unbelassener Natur tauchen Spuren menschlicher Eingriffe auf; urbane, hochgradig künstliche Räume wiederum sind unkontrollierbaren Angriffen der Natur ausgesetzt. Menschliche Körper sind in Romy Julia Kroppes Bildern abwesend.

Der Umgang mit Sehweisen, die heute auch von digitalen Bilderströmen beeinflusst sind, wird bei ihr jenseits des Dargestellten zu einer weiteren Bildebene. Skizzen und zeichnerisch-malerische Experimente sind ebenso Bestandteil des Schaffensprozesses wie eigene Fotografien, die als chemisch bearbeitetes Material in Umdruckverfahren ihren Weg in die malerische Komposition finden. Die Einbindung dieser anderen stofflichen Ebene bleibt als einer von verschiedenen Layern dennoch ein malerischer Akt: Schicht für Schicht entstehen durch Verkehrung, Spiegelung, Verfremdung landschaftlich anmutende Raumkonstruktionen, die zwischen Konkretem und Abstraktem changieren. Motive wie Katastrophen, unklare architektonische Erscheinungen, der Eingriff in die Natur und das sich daraus ergebende Landschaftliche haben in der Sichtbarkeit des technisch-handwerklichen Bearbeitungsprozesses ihre ästhetische Entsprechung. Auf diese Weise stellt Romy Julia Kroppe mittels Malerei der Schnelligkeit des Sehens ein Durchdenken der Bilder und ihrer Quellen gegenüber.

Marcel Raabe