Bea Meyer

jetzt
18.5. – 16.6.2018
Ausstellungsansicht »jetzt«, Galerie b2_
jetzt, 213 × 490 cm, Wandbild, Acrylfarbe, 2018
Zeit
1175 × 260 cm, Pinnadeln, schwarzer Faden, 2018
Zeit (Detail)
1175 × 260 cm, Pinnadeln, schwarzer Faden, 2018

Um das Jetzt zu verstehen brauchen wir das Zuvor und das Danach. Wiederholen sich Vorkommnisse in ähnlichen Zeitabständen erkennen wir Muster, Rhythmus, Takt. Wir geben Rhythmus und nehmen ihn auf. Als Embryo begleitet uns der Puls der Mutter und die Taktfolgen ihrer Lebensführung. Nach circa sechs Wochen fügen wir unseren eigenen Herzschlag hinzu. Unser Leben beginnt mit Schlägen pro Zeit, mit sich überlagernden Taktfolgen. Jahreswechsel, Tag-und-Nacht-Folge, Licht, Musik, Motoren, Raster oder Computerprozessoren. Uns bestimmen und wir bestimmen periodische Vorgänge gleichzeitig, seien sie biologisch, technisch, psychisch, physisch oder deren Kombinationen. Sie prägen bewusst und unbewusst unsere Wahrnehmung und unser Verhalten. Bea Meyer ist fasziniert von diesen Frequenzen. Sie arbeitet mit diesen, sich wiederholenden Vorgängen inhaltlich wie handwerklich. Was aber machen wir mit ihnen? Und was machen sie mit uns? Was bedeutet die Impulsfolge der Handgriffe für die Herstellung und Wirkung ihrer Bilder? Gibt es eine Gleichzeitigkeit von An- und Abwesenheit im Prozess des Machens? Wie gehen wir mit Parallelprozessen um?  Wann und wie dehnt, bzw. staucht sich unsere Zeit? Wieviel Gleichzeitigkeit halten wir aus? Wann brechen wir mit dem Raster unserer zeitlichen und räumlichen Vorgaben? Wie blicken wir in die Zukunft, wenn unsere Projektionen auf der Basis unserer abgespeicherten Erfahrungen passieren? Welche Erwartungen haben wir dann an Kommendes? Wo ist Raum und Zeit für Unvorhergesehenes? Wie verarbeiten wir Unregelmäßigkeiten? Sind Katastrophen grundlegende Brüche in den Taktfolgen unserer alltägliche Prozesse? In der Ausstellung »jetzt« verschränkt die Künstlerin verschiedene künstlerische Formate und löst die Grenzen zwischen Darstellung, Inhalt und Handlung auf. Zwei Wandbilder, neue  textile Arbeiten und eine Aktion formulieren Überlegungen zur Selbstwahrnehmung, zu Fremd- und Selbststeuerung. Mit der Aktion »jetzt« plant Bea Meyer über die Dauer der Ausstellung täglich über Stunden die selbe Strecke zu gehen und lädt Menschen ein, sie einzeln dabei zu begleiten. Mit dem Gehen als sich selbst genügende Tätigkeit an festen Terminen gibt sie eine Struktur vor, die sich als Darstellung im Lauf der Ausstellung im Galerieraum abzeichnet.

Michael Grzesiak

R17#2
99 × 190 cm mit Rahmen, 2017, Gimpe, dunkelblau Klosterstich auf Gewebe
R17#1
200 × 140 cm, 2017, Gimpe, dunkelblau auf Stoff, Klosterstich
R18#1
100 × 130 cm, 2018, Gimpe, dunkelblau, Klosterstich auf Gewebe und Acrylfarbe
R18#3
100 × 130 cm, 2018, Faden, dunkelblau, silber, gestickt in Gewebe
R17#3
100 × 130 cm, 2017, Faden, grau gestickt in Gewebe

Fotos: Gustav Franz

LANDSCHAFT UND LISTEN
11.6. – 9.7.2016
Ausstellungsansicht Galerie b2, Leipzig
LANDSCHAFT UND LISTEN, 2016
L 8, L 9, L 6, L 2, L 1, L 10, L 5
2016, je 30,2 × 31,5 cm
verschiedene Garne grau, schwarz gestickt auf Manilahanfpapier
RB 16 #1–4
2016, je 94 × 69 cm, verschiedene Garne grau, gestickt auf Stoff
aus VOR
2016, Wandbild, Druckbögen-Streifen

VOR lesen
2016, Audio, 265 min S. 1–17, Lesende: Heike Geißler,
Angelika Waniek, Michael Grzesiak, Lea Kontak, Katharina Immekus,
Mathias Zeiske, Martina Hefter, Anna Jessen
Ausstellungsansicht Galerie b2, Leipzig
LANDSCHAFT UND LISTEN, 2016

Seit langem führt Bea Meyer Listen. Sie notiert Beiläufiges bis Elementares auf losen Blättern, Zetteln verschiedener Größe, in Heften; durcheinander, abgeheftet, lose, gestapelt, geordnet. Meyer hält Geschehnisse und Informationen fest, sammelt Daten. Sie zeichnet auf, zählt, dokumentiert, protokolliert.
„Landschaft und Listen“ zeigt Meyers Auseinandersetzung mit Form, Abbild und Bedeutung von Daten unserer Lebensrealität. Sie abstrahiert selbst erhobene Daten zu künstlerischen Formaten. Bewegungen, Kalenderinhalte und biometrische Daten verwebt sie miteinander in einer Reihe von Werken unterschiedlicher Medien zu einer Ausstellung. Stellvertretend an ihrer Person zeichnet Meyer Daten auf und überträgt sie in einen künstlerischen Kontext. Sie legt Bereiche ihres Lebens offen und reflektiert über Subjektivität, Neutralität und Abstraktion von Information und deren künstlerischen Wert. Wer und was bin ich als Individuum und als Teil einer abstrakten, Daten produzierenden Menge, die rund um die Uhr und den Globus ihre digitalen Spuren hinterlässt.
Quadratische, biometrische Bilder „L“ zeigen Konstellationen von Merkmalen, wie aneinander gereihte Satellitenbilder von Landschaften. Meyer vergrößert sie und überträgt sie, analogen Karten gleich, als gestickte Motive auf Papier. Mit der fortlaufenden Serie »RB« erstellt Meyer Muster ihrer Bewegung. Einem Seismografen gleich zeichnet sie die Vibrationen von Fortbewegung auf und entschleunigt sie in der Übertragung auf Stoff.
Ein Fokus der Ausstellung liegt auf Meyers neuer Arbeit „VOR“, einer in Buchform veröffentlichten persönlichen Datensammlung. Die Medienkünstlerin hat die letzen 15 Jahre ihrer Kalenderaufzeichnungen fortlaufend 1:1 ab getippt und zu einem Textteppich verdichtet. In „VOR“ reihen sich Zeichen und Zahlen aus dem Privatleben, der Arbeit und der Welt aneinander und fügen sich zu einer abstrahierten Partitur. Aus dieser entstehen die neuen Arbeiten: „VOR lesen“, „Rauschen“ und die Performance „VOR und sprechen“ in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Angelika Waniek. Meyer entwickelt Interpretationen und Modulationen aus der Verfügungsmasse ihrer Daten und erschafft einen, von einer eigenen Zeit und Gestalt bestimmten Raum.

Michael Grzesiak

english

For a long time, Bea Meyer has been keeping lists and records. She takes down random and casual as well as elemental things on scattered sheets and slips of paper of various sizes, in journals, jumbled, filed, loosely scattered, stacked, organized. Meyer records events, information – she collects data. She chronicles, lists and enumerates, documents, makes protocols.

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Translation: Lukas Holldorf

EINE FRAGE DER ZEIT
12.7. – 9.8.2014
Eine Frage der Zeit, 2014, Wandbild, Acrylfarbe, Letraset, 200 × 450 cm

Eine Frage der Zeit

„Was macht der eigentlich? Arbeitet der für die Mafia?“, fragte mich meine Lebensgefährtin nach einer zufälligen Begegnung mit einem Jugendfreund. Es schüttelte sie. Mein Freund ist Statistiker, Doktor der Sozialwissenschaften, führt ein eigenes Büro in exponierter Lage, veranstaltet Lehrgänge für andere Sozialwissenschaftler, Unternehmensberater. Etwas Kaltes geht von ihm aus. Er bemüht sich, die erlernten Manipulationstechniken aus dem zwischenmenschlichen Begegnungen rauszuhalten.
Für ihn erfülle ich die Parameter, die Freundschaft ausmachen; er hat kein Bedürfnis mich zu manipulieren. Bei meiner Lebensgefährtin ist er sich nicht sicher.

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Carsten Tabel, 2014

english

„What is he actually doing? Is he working for the Mob?“ asked my girlfriend after we had accidentally run into an old friend of mine. She shivered. My friend is a statistician, has a PhD in social sciences, an office in an excellent neighborhood. He is running seminars for other social scienstists or business consultants. He gives one a cold vibe. He makes an effort to not apply his manipulatory repertoire when it comes to friendly and personal encounters.
To him I reside within the parameters of friendship, he doesn‘t feel the urge to have an agenda with me. When it comes to my girlfriend, he isn’t really sure.

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Arbeiten (Detail), 2014
35 × 43 cm, maschinengestickt
Leuchtgarn auf Nessel
Auflage: 5

Zeit haben? Sie ist ein abstrakter Besitz, der sich durch die Abwesenheit von Alternativen auszeichnet, ein Nichts mit grossem Wert. Zeit spielt eine zentrale Rolle im täglichen Kalenderkampf unserer Smartdevices um Termine. Zeit ist Geld und ein Äquivalent zu Lohnarbeit. Was heißt das für eine Künstlerin? Arbeit und Lohnarbeit hätten sich längst voneinander getrennt, heißt es, aber war das nicht schon immer so? Beschäftigung, bezahlt oder unbezahlt. Lohn ist das aktuelle, monetäre Maß unserer Arbeit, nicht aber für deren Wert. Arbeiten, Herstellen, Schaffen. Der Wert unseres Schaffens ist etwas lebendiges, zeitabhängiges, ein retardierendes Moment mit Möglichkeiten zu Konstanz, Wachstum oder Verfall.

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Michael Grzesiak, 2014

english

To have time? It is an abstract possesion, characterized by the absence of alternatives, a nothingness of great value. Time plays a central role in the daily struggle with the calendar, fought on our smartdevices, for meetings and deadlines. Time is money and an equivalent to wage labor. What does this mean for an artist? People argue that wage labor and labor have long been seperated, but has it not always been that way? Engagement, with our without pay. Our salary is the current, pecuniary measure for our work, but not for its value. Working, producing, creating. The value of our work is something lively, time-dependent, an inciting moment in the plot of our lives with permanence, growth or decline as possible outcomes.

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MEYER HILGENFELD TARR
28.4. – 30.6.2012
Hajnalka Tarr, Attachment
2008, 3,5 × 5,5 m, Installation,
Büroklammern, Stahlrohr
»3a«, 2012
120 × 120 cm, Hanfwerg genäht auf Papier

Über Kippbilder 1, 2, 3

Zart schraffierte Flächen und versprengte Lineaturen auf großzügigem weißen Grund – die erste Anmutung der neuen Werkreihe von Bea Meyer ist die des Ephemeren, eine fast Zen-artige Zurückgenommenheit. An Vogeltritte in einem Schneefeld könnte man etwa angesichts schwarzer Strichelbündel denken, die sich mal verdichtend, dann wieder zerstreuend zu einer unentzifferbaren Figur fügen. Auch wenn der Gestus einer Zeichnung in dieses Bild eingegangen ist – und im Fall der‚ Schraffuren’ die Optik computergenerierter Bilder –, transformieren Material und Arbeitsweise beides in etwas grundsätzlich anderes. Wie in anderen Werkreihen arbeitet Bea Meyer auch hier mit Nadel und Faden.

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Susanne Holschbach, April 2012

english

About double images 1, 2, 3

Softly shaded surfaces and scattered lineature on an expansive white background: the first impression of Bea Meyer’s new series is of the ephemeral, a Zen like subduedness. The bundles of black marks are reminiscent of bird footprints in snow, alternately crowding together and then spreading out to form an undecipherable figure. Despite the drawing gesture that has been absorbed by the picture and the surface finish of the shading that cites computer generated images, the material and the operations transform both gesture and optics fundamentally. As in her other series, Meyer works here with needle and thread.

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»1«, 2012, Acetangarn auf Papier
»2a«, 2012, Baumwollgarn auf Papier
KREUZE UND HAKEN
27.11.2010 – 30.1.2011
CLAIM, 2009, 8 × 15 m, Absperrband mit Text,
handgewebt, schwarz beschriftet

„Kreuze und Haken“ ist der Titel des Ausstellungsraums von Bea Meyer. Meyer zeigt mehrere Arbeiten aus den Jahren von 2000 bis heute. Bea Meyer interessieren gesellschaftliche Rollenverhältnisse aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Ob als Kind oder Kunde, als Künstler, als Frau oder als rein selbstreflexives Individuum. Sie demontiert soziale Zuschreibungen, Verhaltensweisen, Vorurteile und psychologische Abhängigkeitsverhältnisse, die unser Zusammenleben im Alltag bestimmen.
Neben den Themenkomplexen, in denen sich die Arbeiten bewegen, bilden die Materialien und die sehr zeitaufwändigen Techniken eine wesentliche Rolle. Sie werden gleichzeitig zum bedeutungstragenden Element und somit auch Inhalt der künstlerischen Auseinandersetzung Meyers. Wir sehen maschinengestickte Bilder, Bilder, die mit Lack gemalt sind, welche, die sich Klebebändern bedienen, es gibt Arbeiten, die handgewebt sind und wir sehen genähte Zeichnungen, ebenfalls getragen auf Bildträgern wie einer klassischen Leinwand, die jedoch transparent das Gerüst des Rahmens sichtbar machen.

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SCHIESSEN UND IN DIE MITTE TREFFEN
16.1. – 13.2.2009
#6
2010, 160 × 120 cm, rote Nähte auf transparentem Gewebe
#4
2010, 55 × 50 cm, verschiedene Bänder & Stoffe auf Baumwollgewebe
#11
2010, 200 × 65 cm, lila Samt & metallicgrünes Kunstleder auf Georgette
#17
2010, 85 × 65 cm, blauer Hutdraht auf Baumwollgewebe
#15
2010, 140 × 125 cm, rote Modellbaufarbe auf Papier & Gewebe
#7
2010, 50 × 70 cm, schwarzes Stickgarn auf Baumwollgewebe

SCHIESSEN UND IN DIE MITTE TREFFEN

Aufforderung oder abgeschlossene Tat? Ist der Handlung expliziter Wille vorausgesetzt oder wird das Zentrum eher beiläufig getroffen? Die von Bea Meyer als Titel übernommenen Worte stellen den beschriebenen Tatbestand als selbstverständlich und dessen Ergebnis als scheinbar nebensächlich dar. Das Ziel wird nicht näher definiert als durch eine räumliche Angabe. Wo befindet sich denn die Mitte von etwas? Wer schiesst? Auf wen oder was wird geschossen? Mit was und warum wird überhaupt geschossen?

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english

AIM, SHOOT AND HIT DEAD CENTRE

Is this a call for action or the description of an action completed? Is an action’s explicit intent a precondition or is the ‘centre’ struck in passing? In Bea Meyer’s exhibition title, the facts described appear self-evident and their consequences nonessential. The aim is referred to elliptically as a position in space. Where, we are left to ask, is the (dead) centre of something? Who is shooting? And who or what is being aimed at? And what is being shot with, and why?

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Translation: Oliver Kossack

Zur Ausstellung erschien eine Publikation von Bea Meyer (Bild), Martina Hefter (Text) und Anna-Lena von Helldorff (Gestaltung).
A catalogue by Bea Meyer (images), Martina Hefter (text) and Anna-Lena von Helldorff (layout) was published to accompany the exhibition.

CLAIM
1.10. – 15.11.2009
"Utopia is a perfect social system in which everybody is satisfied and happy"
CLAIM
2009, 1500 × 8 cm,
Absperrband mit Text, handgewebt, schwarz beschriftet
MAMA, AUS SPASS BIN ICH JETZT MAL EINE FRAU
22.3. – 26.4.2008
o.T., 2008, 120 × 94 cm
Kugelschreiber, schwarz und Gewebeband, braun auf Papier / Siebdruck, rot
o.T., 2008, 132 × 98 cm Filzstift, blau, schwarz auf Papier / Siebdruck, rot
o.T., 2008, 154 × 92 cm Samt, rosa, blau auf Papier / Siebdruck, rot
o.T., 2008, 178 × 117 cm Filzstift auf Papier / Siebdruck, rot
o.T., 2008, 244 × 98 cm
o.T., 2008, 163 × 100 cm Klebeband, gold, silber auf Papier / Siebdruck, rot

"Das Private ist politisch" - das allgegenwärtige 68er-Jubiläum hat auch diese Parole wieder ins Gedächtnis gerufen: die Ansage der Frauen an ihre männlichen Genossen, deren revolutionärer Furor zu gerne vor der eigenen Haustür Halt gemacht und es in punkto Rollenverteilung lieber beim Alten belassen hätte. Sie bildete den Auftakt einer neuen feministischen Bewegung, die sich die Gleichstellung von Mann und Frau in allen gesellschaftlichen Bereichen - und damit waren auch die privaten Verhältnisse gemeint - auf ihre Fahnen schrieb. Schnee von gestern also? Oder nicht eher Zeit für ein Re-enactment1?

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Susanne Holschbach

english

"The private is political" - the ubiquitous anniversary of the 1968 student revolts has given this slogan a new lease of life: the call of the women challenging their male comrades who, in their revolutionary fervour, would have loved to stop at their own doorstep and leave things just the way they were as far as role allocation went. The slogan launched a new feminism that pleaded for gender mainstreaming in all areas of society - and this meant in private life as well. All water under the bridges now? Or rather time for a re-enactment? 1

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Translation Ariane Kossack

ROT ⁄ WEISS ⁄ HOCKEN ⁄ HEIM
9.9. – 14.10.2006
Installationsansicht, Galerie b2
ELLA
2006, 298 × 144 cm Norilit NX-100, col. 312 auf Aluminium 2 mm
JUNI
2006, 144 × 144 cm Tamiya, col. PC-2 auf Aluminium 2 mm
BARCELONA
2006, handgestrickt
Turkey Rug Wool col. 050, 850, 95 × 170 cm
BUDAPEST
2006, handgestrickt
Turkey Rug Wool col. 050, 850, 92 × 110 cm
MONTE CARLO
2006, handgestrickt
Turkey Rug Wool col. 050, 850, 76 × 156 cm

Bea Meyer thematisiert in ihrer Ausstellung ROT/WEISS/HOCKEN/HEIM zwei sehr unterschiedliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, die eng mit Vorurteilen und klischeebesetzten Vorstellungen einhergehen: die Formel 1 und das Stillen. Bea Meyer zeigt zum einen die Grundrisse aller 19 Renn-strecken der Formel 1, die es von Australien über Deutschland bis Brasilien gibt. Sie greift die abstrakten Formen der Strecken auf und zeigt im Nebeneinander deren unterschiedliche Verläufe, die von ihr in Strickbilder übersetzt werden. Die Strecken sind mit roter Wolle gestrickt und mit rohweißem Grund umfasst. Meyer zweckentfremdet das Stricken, fertigt keine Pullover oder Handschuhe, sondern Bilder, deren formale Qualität sie als eigenständige Kommentare und Erzeugnisse im Kunstkontext ausweist. Sie überträgt die Koordinaten eines ausschließlich Männern vorbehaltenen Sports in ein im weitesten Sinne Frauen zugeschriebenes Terrain. In der Menge der Bilder wird deutlich, wie beschränkt die Bewegungsfreiheiten im Rennen sind, wie eng und vorgegeben der Ablauf ist. Der Rundkurs wird zu einem Strickmuster.

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Maik Schlüter, freier Kritiker und Kurator, Braunschweig VG-Wort, Bonn 2006

english

Bea Meyer thematizes in her exhibition RED/WHITE/HOCKEN/HEIM two quite divergent areas of social life which are closely interwoven with prejudices and clichéd concepts: Formula One Motor Racing and breastfeeding. On the one hand, Meyer presents the ground plans of all nineteen Formula One racetracks, from Australia through Germany all the way to Brazil. She takes up the abstract forms of the racetracks and through this juxtaposition depicts their diverse progressions, which she translates into knitted images. The routes are knitted with red wool and surrounded by a natural white background. Meyer uses knitting for another purpose, producing not sweaters or mittens but instead pictures whose formal quality reveals them to be independent commentaries and creations within an artistic context. She transfers the coordinates of a sport reserved exclusively for men onto a terrain designated in the widest sense as belonging to women. In the large number of pictures, it becomes clear how limited is the freedom to maneuver during the race, how narrow and prescribed is the competitive sequence. The circuit becomes a knitted pattern.

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Maik Schlüter, critic and curator, Braunschweig VG-Wort, Bonn 2006